09/09/2026
Hier nochmal mein Leserbrief, der heute im Schwabacher Tagblatt veröffentlicht wurde.
Q***r sein in Schwabach
Ich bin Mitte 50, offen schwul und lebe mein ganzes Leben in Schwabach. Ich bin hier aufgewachsen, zur Schule gegangen, habe hier meine Lehre gemacht. Schwabach ist meine Heimat. Vielleicht macht man sich mit zunehmendem Alter mehr Gedanken darüber, wie sich die eigene Stadt entwickelt und wo man seinen Platz hat. Und da gibt es etwas, das mich schon länger beschäftigt.
Q***r zu sein, ist in Schwabach nicht besonders schwer. Ich kann hier offen schwul leben und habe nicht das Gefühl, mich verstecken zu müssen. Trotzdem habe ich manchmal den Eindruck, dass das Thema „queer“ ein bisschen unter dem Radar bleibt. Nicht negativ. Nicht ausgegrenzt. Aber auch nicht wirklich sichtbar.
Wenn ich an unser Bürgerfest denke: Ein Fest für die Bürger der Stadt mit einem riesigen Programm. Seit Jahren frage ich mich, warum queeres Leben dabei so gut wie keine Rolle spielt. Ähnlich empfinde ich es bei Veranstaltungen wie der Goldschlägernacht. Warum eigentlich? Braucht Schwabach das nicht? Gibt es kein Interesse? Oder hat schlicht noch niemand darüber nachgedacht?
Mir geht es nicht darum, überall zwanghaft das Wort „queer“ draufzuschreiben oder aus jedem Stadtfest einen CSD zu machen. Ich fände es einfach schön, wenn queeres Leben ganz selbstverständlich Teil eines solchen Programms wäre. Ohne große Diskussion. Ohne Rechtfertigung. Einfach, weil auch queere Menschen Bürger dieser Stadt sind. Vielleicht eine Dragshow, ein queerer Künstler, eine Band, eine kleine Veranstaltung oder etwas anderes. Und vielleicht würde genau das auch jungen Menschen in Schwabach zeigen: Du musst für queeres Leben nicht nach Nürnberg fahren. Du bist auch hier Teil der Gesellschaft.
Ich schreibe diese Gedanken nicht, weil ich mich in Schwabach nicht wohlfühle, sondern gerade, weil Schwabach meine Heimat ist und mir etwas bedeutet. Vielleicht wäre es an der Zeit, darüber nachzudenken, ob die Vielfalt, die wir in Schwabach längst haben, bei unseren Veranstaltungen wirklich sichtbar wird. Denn wir queeren Menschen sind längst da. Vielleicht sollten wir einfach ein bisschen mehr vorkommen.